28. September 2002
"Ist das Alles? " Höre ich noch den Klang der Worte widerhallen in meinem Kopf. Ich schrie sie in die Nacht hinein. Dummes Kind. Dummes, dummes Kind.
Katinka ist tot. Ich hatte einen Traum, von dem ich mit Sicherheit weiß, dass er wirklich ist. Und keiner will es sehen. Verstehen. Nicht mal diejenigen, die zugegen waren.
Meine Welt ist ein gedämpfter Raum. Der Schall, in Form von Worten, dringt nur langsam und schwerfällig in meine Gedanken, die sich pausenlos drehen. Immerzu und im Nu... weißt du wieso... bist du so... oder?
Heute ist wieder eines dieser Treffen. Ja DIESER Treffen. Elysium. Oder zumindest mit den gleichen Regeln. Einige neue Vampire haben sich der Domäne angeschlossen. Die mich ... Menschlein... beschnuppern und doch wieder die Nase rümpfen. Wie wahnwitzig, dass ich schon länger hier bin als sie. Tieferen Einblick in die Geschehnisse habe und ICH eigentlich diejenige sein sollte, die sie beäugt. Aber mir ist nicht nach Kinderspielen. Mir ist nach Sterben. Auch ich bin tot. Immer noch Toth. In Begleitung von Josepha und Georg betrete ich die Räumlichkeiten und dort steht Katinka an der Seite ihres Mörders. Die Mörderin. Und mein Herz flammt in Zuneigung und Glück, dass sie... Äh... atmet? Eher nicht... lächelt. Sie lächelt und bewegt sich. Untot. Aber trotz dieses glücklichen Umstands finde ich nicht ganz zurück in mein heiteres Gemüt. Schatten lasten auf mir. Wie wird man seinen Schatten los?
Apropos Schatten. Malfeis steht im Schatten. Mal da, mal dort und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn dazwischen gehen sehe. Nein ich mag ihn nicht leiden. Auch er war in diesem Traum und mir schien, er wäre der einzige gewesen, der so richtig seinen Spaß hatte.
Katinka erzählt wohlgemut von den Geschehnissen in Bremen und Lübeck. Dinge, die sich trennen, andere Dinge, die sich zusammenfügen. Sie hängen an ihren Lippen - lächeln oder blicken betroffen... je nachdem. Aber ich muss mich immer wieder zusammenreißen, ihr zu folgen - bei der Sache zu bleiben.
Meine Gedanken gehen auf Wanderschaft, so wie meine Augen und schließlich bleibt mein Blick auf Schlayer liegen und mir wird erst nach Sekunden bewusst, dass ich ihn anstarre.
Da steht er und ich entsinne mich der Geschehnisse, die ich beobachten durfte/musste. Ein Mann - Pardon - ein Wesen wie er, so zu sehen, er hatte... hat... Blut an seinen Händen, ich sehe es, als er sich zu uns an den Tisch setzt. Blut an seinen Händen...
Wie in jener Nacht... Verzweiflung... Wut... Trauer... Ich hebe meinen Kopf, sehe durch Josepha durch, an Katinka vorbei, zu dem... Geist im schwarzen Ledermantel... will ich fast sagen, der mit seinem selbstgefälligen, wissenden Lächeln an der Wand lehnt und es sofort zu bemerken scheint, wenn ich nur den Kopf in seine Richtung drehe. Malekin, der durch mein Bild läuft und mir zuwinkt. Deja vu. Ich blinzle und blicke zu Katinka, die sich bei Schlayer entschuldigt. Ihre Meinung bezüglich der Brujahs revidiert. Sie will von seinem Clan lernen und auch nicht lernen. Ich verstehe sofort, was sie meint. Sie reden über Vergangenes, über Vorzüge und Nachteile, und ich verliere wieder den Faden. Tot war sie. Ich habe es am ganzen Körper gefühlt.

Malekin, wie er sie zu sich zieht.
Malekin, wie er sie küsst.
Malekin, wie er vor mir steht und mich ansieht als könnte er einen jeden meiner Gedanken von meinen ins Nichts gerichteten Augen lesen.
Ich sitze an einem langen Tisch. Man spricht über Politik. Sabbath hier, Setiten dort. Eigentlich finde ich diese für mich scheinbar so unwesentlichen Gespräche beruhigend.
So unpersönlich. Gar befreiend im Vergleich zu dem inneren Dialog, den ich führe. Doch die Worte um mich herum sind in meiner Welt nicht mehr als Hintergrundmusik, um abzulenken von den wichtigen Umständen. Lyra fragt Katinka, wie es ihr geht, und ich erinnere mich auch an ihr Zugegensein in meinem Traum. Auch Lyra sah Katinka sterben und mein Blick heftet sich an ihr fest. Ich wünschte, ich könnte sehen was sie fühlt. Fühlt sie? Ich glaube ja, denn ihr Blick wiederum ruht sorgenvoll auf Katinka. Diejenige, die mich hierher geholt halt. Diejenige, die mir Einblicke in eine Welt ermöglicht hat, die kaum ein Mensch vor mir hatte. Sie ist diejenige, die mein Todesurteil unterschrieben hat, an dem Tag, an dem sie mich ansprach. Und ich liebe sie trotzdem. Mich befällt das Bedürfnis, diese Frau zu halten, ihr nah zu sein und ich schmiege mich an, wie ein Kind, das um seine Mutter fürchtet. Und Katinka wundert sich nicht einmal. Beruhigend legt sie mir ihren Arm um die Schultern, tröstlich und ich bin glücklich, sie nicht verloren zu haben. Ein kurzer Frieden für meine Seele. Als ich mich aufrichte, zum ersten Mal lächelnd an diesem Abend, fühle ich diese Kühle in meinem Nacken.
Aufnahme

Entlassung